S R & C o m p a n y | 1 0

G O E T H E

Vier Choreographen widmen sich vier ausgewählten Werken dieses wortgewaltigen Künstlers der deutschen Sprache.
Er offenbart die Lügen, hinter denen wir uns verstecken, den Schein, dem wir erliegen und lichtet unseren trüben Blick auf diese Welt.
Als scharfer Beobachter des Wesentlichen wandelt er mit uns auf finsteren Fluren und zeigt auf Abgründe, die sich vor uns auftun.

Wo bleibt das Eine.
Wo ist das Wir,
das ich meine.

*

Du bist wie du bist
und wie ich dich sehe.

Ich bin die in deinen Augen
und wie ich in dir mich sehe.

© Ian Antonio

E i n M e h r a u s T r o p f e n

Indem das werdende Duett stets nach der Premiere des vergangenen entstand und somit nicht losgelöst voneinander, sondern in Bezug zueinander,
entwickelte sich über die gesamte Bande á Part Wintersaison 2016/17 in Tropfen, tröpfchenweise ein Stück in fünf Akten.
Fünf Duette, die sich dem Elementaren widmen, zu einem Ganzen zusammengefügt, um ein Mehr aus Tropfen zu schaffen.

THE BAR SINISTER und die S R & C o m p a n y
sind eigenständige Künstler, die ihre persönlichen Bedürfnisse und Empfindungen kreativ umsetzen und nun gemeinsam über ihr eigenes Genre hinaus künstlerisch zusammenarbeiten.

In dieser Produktion lag den Künstlern die Symbiose von darstellender Kunst am Herzen: gemeinsame Themen zu ergründen, aufeinander einzugehen, sich gegenseitig zu unterstützen und nicht ein Nebeneinanderher oder Aneinandervorbei von Musikern und Tänzern.
I got lost

I want to peel all the apples of this ripe new world
I'm wondering what will appear inside
I'm alone, looking for a way out of here
I want my own state of mind

Lady
Banana
The Sinister Suite

Oh, the carnival and
Oh, we're going crazy
Oh, the trumpet blasts that always call me home
They're calling me home

Get all the people inside
It's the right time for insanity
Sanity

Die Berliner Theatrical Rock Band
THE BAR SINISTER
ist sowohl durch ihre leidenschaftlichen und expressiven Konzerte, als auch durch ihre lyrisch erinnerungswürdigen Songtexte bekannt. Ihre Musik ist dramaturgisch durchdacht arrangiert, als wäre jedes Stück ein kleines Musical für sich.

Mit den herausragenden Stimmen von Katrin Holzapfel (Sängerin | Pianistin | Songwriter) und dem geborenen Entertainer Andrew McGinn (Sänger | Songwriter | Keyboard | Bass), sowie Multi-Instrumentalist Frank Wegling (Sänger | Songwriter | Komponist) sind bisher drei Musiker von THE BAR SINISTER an diesem Projekt beteiligt, die mit ungebändigter Lust ihr Publikum unterhalten.

s e i c h t

Vom Sehnen nach Untiefe und Leere,
nach Belanglosigkeit.
Vom Einsickern und Schwinden;
und vom Grund, der sich zeigt.

The hurt is relentless,
the hurt of emptiness,
the hurt of missing.

You know those nights,
when you're sleeping,
and it's totally dark,
and absolutely silent,
and you don't dream,
and there's only blackness,
and this is the reason;
it's because on those nights
you've gone away,
on those nights
you're in someone else's dream,
you're busy
in someone else's dream;
some things are just pictures,
they're scenes before your eyes,
don't look now,
I'm right behind you.

L a u r i e A n d e r s o n

LA GRANDE AMBITION DES FEMMES
EST D'INSPIRER L'AMOUR.
M o l i è r e

Little things I should have said and done,
I just never took the time.

Stabat Mater dolorosa
Es stand die Mutter schmerzensreich
Quis est homo, qui non fleret
Wer wäre der Mensch, der nicht weinte
Quis non posset contristari
Wer könnte nicht mittrauern,
dolentum cum filio
wie sie leidet mit dem Sohn.
Face me plagis vulnerari
Lass mich von den Wunden verwundet werden.

Je lutte et je me débats
Ich ringe und ich schlage um mich
Et je crie de douleur, de fureur et de rage et je pleure
Und ich schreie vor Schmerz, vor Wut und ich weine
Emportés par la foule qui nous traîne, nous entraîne
Mitgenommen von der Menge, die uns mit sich fortreißt,
Qui me vole, qu’elle m’avait donné et que je n’ai jamais retrouvé.
die stiehlt, was sie mir gegeben hat und ich nie mehr wiederfand.

Ein ganz persönlicher, angenommener Rückzugsort,
eine Zuflucht,
ein Stück Heimat, mit der wir verwurzelt sind,
ein Atavismus, mit dem wir verwachsen sind,
Erinnerung und Sehnsucht.

Inwieweit ist dieser Fleck Erde Freiheit? Er ist unser Eigen.
Bis hierhin und nicht weiter.
Grenzen setzen und hoffen, dass niemand sie überschreitet.
Grenzen zwischen sich und der Welt.
Zwischenmenschliche Grenzen.
Nähe und Abstand.
Heimat und Fremde.
Grenzen der eigenen Belastbarkeit.
Grenzen halten andere Leute nicht von einem fern.
Vielleicht sperren sie einen selbst ein?
Eine unsichtbare Mauer zum Schutz oder der Isolation?
Nähe ist genauso ersehnt, wie gefürchtet.
Es ist schwer mit ihr zu leben und unmöglich ohne sie auszukommen.
Wir brauchen Wurzeln und Flügel.
Flügel, um über die Grenzen hinweg zu streben.
Wurzeln, um einen Halt im Leben zu haben und zurückkommen zu können.

zwangsneurose

ich habe angst vor dem ersticken,
vor einengung, vor vereinnahmung,
angst die kontrolle zu verlieren - über mich.

ich bin mir meiner nicht mehr sicher,
kann nicht mehr vertrauen - mir.
ich kann nicht anders, kann mich nicht beherrschen,
verliere die selbstbeherrschung,
ich verliere - mich.

ich sehne mich nach einem guten tag,
nach sicherheit, nach ordnung und struktur,
sehne mich nach erleichterung - meiner erlösung.

immer wieder den immer gleichen ablauf wiederholen,
um sicher sein zu können,
um die kontrolle wieder zu erlangen,
um einen letzten halt zu haben, bevor
ich mich verliere.

William Shakespeares Sonette
Veröffentlicht 1609.

Eine Sprache zeitloser Ästhetik, Intensität und Aussagekraft,
vertont durch Hallam London,
verkörpert durch S R & C o m p a n y,
im 20. Jahrhundert gegenwärtig und nicht vergessen.

34 Why Promis?
35 No More Be Grieved
70 Kingdoms Of Hearts
97 Winter Part 1
98 Winter Part 2
126 My Lovely Boy
129 Waste Of Shame

Ich bin nur einer deiner Ganzgeringen,
der in das Leben aus der Zelle sieht,
und der, den Menschen ferner als den Dingen,
nicht wagt zu wägen, was geschieht.
Doch willst du mich vor deinem Angesicht,
aus dem sich dunkel deine Augen heben,
dann halte es für meine Hoffahrt nicht,
wenn ich dir sage: Keiner lebt sein Leben.
Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke,
Alltage, Ängste, viele kleine Glücke,
verkleidet schon als Kinder, eingemummt,
als Masken mündig, als Gesicht - verstummt.

Ich denke oft: Schatzhäuser müssen sein,
wo alle diese vielen Leben liegen
wie Panzer oder Sänften oder Wiegen,
in welche nie ein Wirklicher gestiegen,
und wie Gewänder, welche ganz allein
nicht stehen können und sich sinkend schmiegen
an starke Wände aus gewölbtem Stein.

Und wenn ich abends immer weiterginge,
aus meinem Garten, drin ich müde bin,
ich weiß: dann führen alle Wege hin
zum Arsenal der ungelebten Dinge.
Dort ist kein Baum, als legte sich das Land,
und wie um ein Gefängnis hängt die Wand
ganz fensterlos in siebenfachem Ringe.
Und ihre Tore mit den Eisenspangen,
die denen wehren, welche hinverlangen,
und ihre Gitter sind von Menschenhand.

Rainer Maria Rilke