SR&Company

H a u t

ein Hauch Pergament,
gezeichnet durch die Zeit,
von Linien durchzogen,
ein Netz unserer Lebenswege.

eine durchlässige Membran,
durch eine einzige Berührung in Schwingung gebracht,
ein Ton, der den Körper stimmt,
der resoniert und pulsiert,
ein Strom, der durch den Körper schlägt und ihn belebt.

ich kann nicht aus meiner Haut,
muss mich häuten,
Schicht um Schicht abtragen,
um unter die Oberfläche zu sinken,
einzutauchen in meinen Körper.

ich tauche ab und spüre das Wasser auf meiner Haut,
spüre die Wellen, wie sie in mir schlagen,
wie sie in mir ansteigen und sich ausbreiten,
wie ein Stein falle ich durch das Wasser,
und was auf dem Grund aufschlägt und zurückbleibt,
ist nur ein Name, nur eine Haut.

die Schwere erdrückt mich, erstickt mich.
wer widersteht der Tiefe?
wo ist die schützende Hülle, die mich umgibt,
eine zweite Haut, die mich zusammenhält und trägt,
dass ich nicht untergehe und ertrinke in dem Meer in mir,
mich auflöse und verschwimme?
ich bin außer mir, ohne feste Kontur.

ich atme ein und spüre die Luft durch meine Haut,
wie sie mich erfüllt und durch jede Pore strömt,
wie sie sich in mir ausdehnt und wieder zusammenzieht,
durchflutet von der Erhabenheit eines Atemzuges,
sauge ich mich voll und nähre mich von diesem Moment.

ich kann nicht aus meiner Haut,
muss mich enthüllen,
wie viele Häute habe ich,
wie viele Schichten muss ich abstreifen,
um mein Wesen zu finden,
mich wiederzufinden?

ich bin dünnhäutig, aber vielschichtig,
wie eine Zwiebel,
bei der man weint, wenn man sie häutet.

THE BAR SINISTER und die S R & C o m p a n y
sind eigenständige Künstler, die ihre persönlichen Bedürfnisse und Empfindungen kreativ umsetzen und nun gemeinsam über ihr eigenes Genre hinaus künstlerisch zusammenarbeiten.

In dieser Produktion lag den Künstlern die Symbiose von darstellender Kunst am Herzen: gemeinsame Themen zu ergründen, aufeinander einzugehen, sich gegenseitig zu unterstützen und nicht ein Nebeneinanderher oder Aneinandervorbei von Musikern und Tänzern.
I got lost

I want to peel all the aplles of this ripe new world
I'm wondering what will appear inside
I'm alone, looking for a way out of here
I want my own state of mind

Lady
Banana
The Sinister Suite

Oh, the carnival and
Oh, we're going crazy
Oh, the trumpet blasts that always call me home
They're calling me home

Get all the people inside
It's the right time for insanity
Sanity

Die Berliner Theatrical Rock Band THE BAR SINISTER
ist sowohl durch ihre leidenschaftlichen und expressiven Konzerte, als auch durch ihre lyrisch erinnerungswürdigen Songtexte bekannt.
Ihre Musik ist dramaturgisch durchdacht arrangiert,
als wäre jedes Stück ein kleines Musical für sich.

Mit den herausragenden Stimmen von Katrin Holzapfel (Sängerin | Pianistin | Songwriter) und dem geborenen Entertainer Andrew McGinn (Sänger | Songwriter | Keyboard | Bass), sowie Multi-Instrumentalist Frank Wegling (Sänger | Songwriter | Komponist) sind bisher drei Musiker von
THE BAR SINISTER an diesem Projekt beteiligt,
die mit ungebändigter Lust ihr Publikum unterhalten.

s e i c h t

Vom Sehnen nach Untiefe und Leere,
nach Belanglosigkeit.
Vom Einsickern und Schwinden;
und vom Grund, der sich zeigt.

The hurt is relentless,
the hurt of emptiness,
the hurt of missing.

You know those nights,
when you're sleeping,
and it's totally dark,
and absolutely silent,
and you don't dream,
and there's only blackness,
and this is the reason;
it's because on those nights
you've gone away,
on those nights
you're in someone else's dream,
you're busy in someone else's dream;
some things are just pictures,
they're scenes before your eyes,
don't look now,
I'm right behind you.

L a u r i e A n d e r s o n

LA GRANDE AMBITION DES FEMMES
EST D'INSPIRER L'AMOUR.
M o l i è r e

Little things I should have said and done,
I just never took the time.

Stabat Mater dolorosa
Es stand die Mutter schmerzensreich
Quis est homo, qui non fleret
Wer wäre der Mensch, der nicht weinte
Quis non posset contristari
Wer könnte nicht mittrauern,
dolentum cum filio
wie sie leidet mit dem Sohn.
Face me plagis vulnerari
Lass mich von den Wunden verwundet werden.

Je lutte et je me débats
Ich ringe und ich schlage um mich
Et je crie de douleur, de fureur et de rage et je pleure
Und ich schreie vor Schmerz, vor Wut und ich weine
Emportés par la foule qui nous traîne, nous entraîne
Mitgenommen von der Menge, die uns mit sich fortreißt,
Qui me vole, qu’elle m’avait donné et que je n’ai jamais retrouvé.
die stiehlt, was sie mir gegeben hat und ich nie mehr wiederfand.

Ein ganz persönlicher, angenommener Rückzugsort,
eine Zuflucht,
ein Stück Heimat, mit der wir verwurzelt sind,
ein Atavismus, mit dem wir verwachsen sind,
Erinnerung und Sehnsucht.

Inwieweit ist dieser Fleck Erde Freiheit? Er ist unser Eigen.
Bis hierhin und nicht weiter.
Grenzen setzen und hoffen, dass niemand sie überschreitet.
Grenzen zwischen sich und der Welt.
Zwischenmenschliche Grenzen.
Nähe und Abstand.
Heimat und Fremde.
Grenzen der eigenen Belastbarkeit.
Grenzen halten andere Leute nicht von einem fern.
Vielleicht sperren sie einen selbst ein?
Eine unsichtbare Mauer zum Schutz oder der Isolation?
Nähe ist genauso ersehnt, wie gefürchtet.
Es ist schwer mit ihr zu leben und unmöglich ohne sie auszukommen.
Wir brauchen Wurzeln und Flügel.
Flügel, um über die Grenzen hinweg zu streben.
Wurzeln, um einen Halt im Leben zu haben und zurückkommen zu können.

zwangsneurose

ich habe angst vor dem ersticken,
vor einengung, vor vereinnahmung,
angst die kontrolle zu verlieren - über mich.

ich bin mir meiner nicht mehr sicher,
kann nicht mehr vertrauen - mir.
ich kann nicht anders, kann mich nicht beherrschen,
verliere die selbstbeherrschung,
ich verliere - mich.

ich sehne mich nach einem guten tag,
nach sicherheit, nach ordnung und struktur,
sehne mich nach erleichterung - meiner erlösung.

immer wieder den immer gleichen ablauf wiederholen,
um sicher sein zu können,
um die kontrolle wieder zu erlangen,
um einen letzten halt zu haben, bevor
ich mich verliere.

William Shakespeares Sonette
Veröffentlicht 1609.

Eine Sprache zeitloser Ästhetik, Intensität und Aussagekraft,
vertont durch Hallam London,
verkörpert durch SR&Company,
im 20. Jahrhundert gegenwärtig und nicht vergessen.

34 Why Promis?
35 No More Be Grieved
70 Kingdoms Of Hearts
97 Winter Part 1
98 Winter Part 2
126 My Lovely Boy
129 Waste Of Shame

Ich bin nur einer deiner Ganzgeringen,
der in das Leben aus der Zelle sieht,
und der, den Menschen ferner als den Dingen,
nicht wagt zu wägen, was geschieht.
Doch willst du mich vor deinem Angesicht,
aus dem sich dunkel deine Augen heben,
dann halte es für meine Hoffahrt nicht,
wenn ich dir sage: Keiner lebt sein Leben.
Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke,
Alltage, Ängste, viele kleine Glücke,
verkleidet schon als Kinder, eingemummt,
als Masken mündig, als Gesicht - verstummt.

Ich denke oft: Schatzhäuser müssen sein,
wo alle diese vielen Leben liegen
wie Panzer oder Sänften oder Wiegen,
in welche nie ein Wirklicher gestiegen,
und wie Gewänder, welche ganz allein
nicht stehen können und sich sinkend schmiegen
an starke Wände aus gewölbtem Stein.

Und wenn ich abends immer weiterginge,
aus meinem Garten, drin ich müde bin,
ich weiß: dann führen alle Wege hin
zum Arsenal der ungelebten Dinge.
Dort ist kein Baum, als legte sich das Land,
und wie um ein Gefängnis hängt die Wand
ganz fensterlos in siebenfachem Ringe.
Und ihre Tore mit den Eisenspangen,
die denen wehren, welche hinverlangen,
und ihre Gitter sind von Menschenhand.

Rainer Maria Rilke